Mein Malen |
Malen war in der Kindheit zunächst ein schöner Ausflug in die Welten von Märchen und vor allem Kinderbüchern, die unsere Eltern uns vorlasen; am Anfang dominierten endlose Wiederholungen von Filzstiftbildern, die in üppiger Vielfalt vor allem phantastische und surrealistische Themen, so z.B. den Höhlenschatz des Drachens aus dem "kleinen Hobbit" zeigten, auch Piratenschiffe aus der "Schatzinsel" waren sehr beliebt, im Vordergrund stand minimalistische Kleinarbeit, die teilweise Tage in Anspruch nahm. In der Schule galt ich aufgrund dieser Fleißarbeiten und der Tatsache, daß ich ein Bild bis zur letzten Konsequenz mit Farbe füllte als begabt, auf dem Gymnasium änderte sich das durch vorgegebene Anforderungen an Technik und Ausführung – mit Schwarzweiß, Porträtzeichnen und Drucktechnik konnte ich nicht so viel anfangen, handwerklich war ich eher ungeschickt, erst als Ölfarben aufkamen, begann mit ca. 16 Jahren die ernsthafte Beschäftigung mit der Malerei, unterstützt durch meine letzte Kunstlehrerin Karin Guth, die in Oxford Philosophie studiert hatte und die nötigen Freiräume schaffte, vor allem für die Beschäftigung mit der Kunst des 19. Und 20. Jahrhunderts. Ich begann, zuhause zu malen und Musik zu komponieren, profitierte von der Unterstützung meiner Mutter in Form von Farben und Papier und war zufrieden mit mir. Das war wohl einer der entscheidenden Punkte, denn dadurch, daß ich mich nie durch unrealistische Ziele unter Druck setzte konnte ich befreit und befreiend malen, das Malen war ein Punkt, an dem ich mich ausleben konnte ohne Leistung erbringen zu müssen – wie überall sonst im Leben. Dennoch drückte sich in den Bildern selten der Druck des Alltags aus, sonder die bunten Farben stellten eher eine eigene Dimension, eine ideale Welt dar, die ich mir so erschuf, nicht als Flucht, sondern als neue Realität, denn die Bilder sind auch heute noch meine Umgebung, ich male mir meine Wohnung in bunten Farben an und hänge darauf Bilder, so werden sie direkt zu meiner Umgebung, zu meiner Welt, die mir Kraft gibt. Natürlich gab es immer wieder Vorbilder, Maler, deren Bilder ich auch gern gemalt hätte, aber ich versuchte nie, ihren Stil zu kopieren, dafür war meine Technik und Geduld zunächst auch nicht ausreichend, sondern begnügte mich mit einem schönen Farbton oder einer Komposition, die ich übernahm. Während der Jahre lernte ich langsam, mich vollständig auf den Flächen auszuleben. Die ersten Ölbilder waren filigrane Konstruktionen, an denen ich Tage saß und Abtönungen für einzelne Flächen anmischte, die Formate waren klein, meist Papier. Erst mit der Zeit kam ein freier ungehemmter Strich in meinen Arm, das Malen wurde zu einer Art Therapie, die auch mein Leben befreite, denn ich malte nunmehr ohne initiales Konzept, der Zufall bestimmte den Beginn eines Bildes, ein paar Farbkleckse ohne Plan brachten mir dann im Verlauf eine neue Idee, die ich dann Schicht für Schicht verfolgen konnte. So lernte ich auch in anderen Bereichen, daß Leben auch oder manchmal auch besser funktioniert, wenn nicht jeder Weg exakt geplant wird. So wuchsen die Formate, Leinwände statt Papier kamen zuletzt auf die Staffeleien und eröffneten neue Möglichkeiten. |
| Entscheidende Rollen bei meiner Entwicklung kommen folgenden Personen zu: zuerst Claudia Martelli, mit der ich 1988 bis 1990 zusammenarbeiten durfte, als sie noch an der Hamburger Fachhochschule Illustration studierte – von ihr lernte ich viel über Strichführung und Karikaturen, besonders aber wohl über das notwendige Selbstvertrauen, das einem Strich auf dem Papier scheinbar mühelos die Ausstrahlung eines ganzen Bildes verleihen kann. Und ich lernte die Schattenseite der professionellen Künstler kennen und beschloß, mich nie unter kreativen Zwang setzen zu lassen. Eine ebenfalls wichtige Rolle erlangte Holger Hogelücht mit faktisch einem einzigen Satz: zunächst ermunterte er mich 1998 nach längerer Malpause zum Ausstellen einiger älterer Bilder in seiner Internet-Agentur "Bildwechsel", dann trieb er mich dazu, aufgrund der Nachfrage größere Formate zu malen, was zu einem entscheidenden Wechsel meiner Malweise und vor allem des Malgefühls führte, alles wurde durch die großen Formate und die riesigen Pinselschwünge freier und großzügiger. Hier trat nun Franziska Seifert, ebenfalls gelernte Illustratorin und freie Künstlerin,unerwartet in mein Leben und bot mir ihre unersetzliche Gastfreundschaft in ihrem idyllischen Hamburger Atelier an der Tarpenbek an. Lange Freitagnachmittage, an denen jeder vor sich hin malte und in den Teepausen am Kaminfeuer lange Gedankenaustausche folgten boten eine maximal kreative und gleichzeitig geschützte Atmosphäre – hier entstanden und entstehen noch immer wieder entscheidende Bilder, an denen ich sehr hänge. |